Sieh, was ich gesehen habe.

 

Die Bilder lenken durch ihre Reduzierung auf das Wesentliche den Fokus auf die Gefühle. Sie ziehen den Betrachter durch ihren Ausdruck in ihren Bann, vermitteln ihm das Gefühl bei der Entstehung des Bildes dabei gewesen zu sein.


EXPOSÉ KONZERT FOTOGRAFIE

 

Dank moderner Technik und Medien ist Musik aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken – sie begleitet die Menschen bei Tag und bei Nacht und zieht sie in ihren Bann. Auch Lisnoir teilt diese Faszination, was sich zunächst in seiner privaten Sammelleidenschaft von Tonträgern mit Stücken diverser musikalischer Epochen – sein Kontingent umfasst nahezu 10.000 Exemplare – ausdrückte. Daraus erwuchs das starke Verlangen  nach persönlichem Kontakt zu den Künstlern, welche Lisnoir mit ihren Werken inspirieren und begeistern. Im Zuge des Auftretens des Künstlers im Rahmen von diversen Ausstellungen an Veranstaltungsorten von u.a. musikalischen Live-Shows erhielt er zunächst Anfragen der jeweiligen organisatorischen Verantwortlichen, ob er das Konzert fotografieren könne. Es folgten Auftragsarbeiten diverser Verlage, welche auf die hohe Qualität der Bilder und deren starke Aussagekraft aufmerksam geworden waren und diese dementsprechend publizierten. Innerhalb von mehreren Jahren der Tätigkeit im Bereich der Konzertfotografie knüpfte Lisnoir zahlreiche Kontakte, er lernte viele Musiker wie den Frontsänger der Band Reamon, Ray Garvin, die Gruppen Motörhead, Schandmaul und die Leningrad Cowboys sowie Joachim Witt und weitere 140 Interpreten persönlich kennen. Die Anerkennung der Fotografien reichte soweit, dass der Künstler ohne journalistische Tätigkeit die Zulassung der Bands erhielt, deren Live-Auftritte im Hinblick auf den bildkünstlerischen Anspruch zu fotografieren, ohne dadurch folgend eine eigene Promotion zu erhalten. Ausschließlich die  Präsentation der Musiker und die gleichzeitige künstlerische Entfaltung von Lisnoirs Fotokunst – obwohl er weder gelernter Fotograf noch eine fotokünstlerische Ausbildung erlebte – standen im Vordergrund. Begann der Künstler anfangs mit diversen Analogkameras, wobei er bis zu fünf verschiedene Exemplare gleichzeitig einsetzte, wechselte er nach einiger  Zeit zur Vollformat-Digitalkamera. Daher sind der Größe der Bilder aufgrund des unweigerlichen Qualitätsverlusts Grenzen gesetzt, ein maximales Format von 2x1m kann jedoch hergestellt werden. Bei dem Seitenverhältnis der Kantenlängen handelt es sich um ein Besonderes – der Standard ist hierbei 4:3, bei Lisnoir allerdings 2:1 – der Bildraum erhält eine stärkere Weite und Tiefe,  der gezeigte Musiker behält seine notwendige Bühne für den kräftigen Ausdruck seiner Stimme. Hier liegt auch der künstlerische Anspruch des Künstlers begründet: Durch das Fehlen des Drucks von Verlagen, die Sänger zusammen mit Band und Publikum abzulichten, kann das Bild ausschließlich einen Ausdruck, eine Mimik und somit die vom Musiker ausgehende  Energie einfangen und die Essenz  eines Konzerts sichtbar machen. Der Klang an sich kann nicht im Bildmedium illustriert werden, die ausgedrückte und beeinflusste Emotion sowie die Rolle der Musik als lebensbegleitendes Element hingegen lassen in einem ausdruckstarken Augenblick sehr wohl mit der Kamera einfangen.

 

Text: Felicitas Meisel